Feuerwehrleute informieren sich über Hybridfahrzeuge

Anhand anschaulicher Folien präsentierte Thorsten Wawrzinek den Mitgliedern der Feuerwehr Delmenhorst Techniken und Gefahren bei Hybridfahrzeugen

Am vergangenen Dienstag stand bei der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst-Stadt nicht der übliche Ausbildungsdienst auf dem Plan. Thema war in dieser Woche eine besondere Ausbildungseinheit zum Thema Hybridfahrzeuge. Ausbilder Thorsten Wawrzinek, selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in der Nachbarstadt Wildeshausen und zugleich beruflich Schulungsleiter für Fahrzeugtechnik im Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Oldenburg, hatte für die Kameraden von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr eine ganze Fülle an Informationen vorbereitet. Dazu wurde der Dienst auch von 19:30 Uhr auf 18 Uhr vorverlegt und endete diesmal sogar eine halbe Stunde später, um 22 Uhr.

 

Leuchtend orange Hochvoltkabel und der Schriftzug Hybrid - hier unter der HaubeKamerad Wawrzinek erläuterte grundsätzlich, welche Hybridantriebe es derzeit auf dem Fahrzeugmarkt gibt und wie sie funktionieren. Sowohl Fahrzeuge mit Erdgas- oder Flüssiggasantrieb als auch Elektrofahrzeuge und mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge kamen dabei zur Sprache. Äußerlich sind diese oft nur schwer zu erkennen: Hier fehlt die Abgasanlage (z.B. bei Elektrofahrzeugen), dort verbirgt sich hinter dem Tankstutzen ein Gasventil, doch nicht immer ist der schriftliche Hinweis "Hybrid" wirklich auffällig vorhanden. Manchmal hilft da nur ein Blick unter das Fahrzeug, um die orangen Hochvoltkabel zu entdecken oder das Fehlen der Abgasanlage zu bemerken. Und manches Mal kann man dort dann auch die Batteriekästen des Fahrzeugs finden, die leider nicht immer (wie früher: im Motorraum) an der gleichen Stelle sitzen und für die Feuerwehr so manches Mal nur schwer zu erreichen sind. Zur Bestimmung der Antriebsart hilfreich ist hier die AUTO-Regel (siehe Kasten unten).

 

AUTO-Regel zur Bestimmung der Antriebsart von KraftfahrzeugenDie Ausbildung beinhaltete weiter, wie im Einsatzfall und so zum Beispiel bei Verkehrsunfällen zu verfahren sei. So würden viele Fahrzeuge heute eben mit diesen Fahrzeugbatterien auch Sitzverstellungen ermöglichen oder die Türschließung und das Kofferraumschloss verbinden. Das sei oft ein Problem: Trennt die Feuerwehr im Einsatz den Stromkreis an der Batterie und schließe dann den Kofferraum, sei ein Wiedereinschalten der Stromanlage nur mit viel Krabbelei durch den Innenraum möglich. So sollte ein Notstecker, der bei Hybriden verbaut und nur mit speziellen Schutzhandschuhen (Bild 3) zu ziehen sei, ausschließlich dem Einsatzleiter gegeben und von diesem verwahrt werden, während der Kofferraum gegen unbeabsichtigtes Zufallen gesichert würde. Auch sollte nach dem Abklemmen der Batterie möglichst durch Einschalten der Warnblinkanlage getestet werden, ob wirklich keine Spannung mehr anliegt und den Rettern so durch Auslösen noch aktiver Airbagsysteme gefährlich werden kann.

 

Bei Fahrzeugbränden lauern zusätzliche Gefahren durch ein neuartiges KühlmittelAls haben die Retter, die zu diesem Zweck und bei der Vielfalt der unterschiedlich gebauten Fahrzeugtypen bereits vor der Rettung einen geeigneten Leitfaden (bei der FF Stadt auf dem ELW 1) zu Rate ziehen sollten, damit und mit einer schonenden Rettung nicht schon genug zu beachten, lauert in manchen Modellen unter der Motorhaube eine weitere Gefahr: Unter dem Namen R-1234YF stellen manche Hersteller in Zukunft auf ein neuartiges und im CO2-Ausstoß weniger agressives Kühlmittel um, welches allerdings hochentzündlich ist. Die besondere Gefahr liegt jedoch in der Tatsache, dass das Kältemittel im Brandfall giftigen und zugleich ätzenden Fluorwasserstoff freisetzt. Im Sicherheitsdatenblatt sagt ein Hersteller, bei Brand sei neben Atemschutz auch ein "vollständiger Schutzanzug" zu tragen und die Umgebung zu räumen. Das Problem: Eine äußerliche Erkennung ist bislang nicht möglich. Einzig eine Trübung der Windschutzscheibe kann ein Hinweis auf das freigesetzte Kühlmittel sein, wenn der Stoff durch die Lüftungsschlitze vor dem Glas austritt. Bisweilen sind allerdings die wenigsten Fahrzeuge mit dem Mittel ausgestattet.

 

In einem umfassenden Vortrag, mit reichlich Material zum Anschauen und Anfassen, drehte es sich weiter auch um die zunehmend gehärteten Fahrzeugkarosserien, welche auch den Zugang zu verunfallten und eingeklemmten Insassen immer schwieriger machten. Auch wurden Airbags und deren hoher Auslösedruck, neuartige und splitterfreie Glasscheiben und nicht zuletzt Stabilisierungssysteme und Rettungsmethoden beschrieben. Auch der eCall, ein künftig automatisches Verfahren, das den Einsatzkräften bereits vor dem Eintreffen an der Einsatzstelle Infos zum Fahrzeugtyp geben soll, wurde erklärt. Letztlich hatten die Aktiven weiterhin die Gelegenheit, an zwei Hybridfahrzeugen selbst Hand anzulegen und sich so einmal praktisch mit dem Stromlosschalten und dem Aufbau eines solchen Fahrzeugs vertraut zu machen.

 

  • Rund 50 Einsatzkräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr ließen sich über die Technik von Hybridfahrzeugen informieren.
  • Hier zieht Ausbilder Thorsten Wawrzinek den Stecker in einem Hybridfahrzeug. Auch die Aktiven selbst durften einmal Hand anlegen.
  • Der orange Stecker, den Thorsten Wawrzinek hier hält, darf nur mit zuvor durch Aufrollen auf Dichtigkeit getesteten Schutzhandschuhen gezogen werden und ist ausschließlich dem Einsatzleiter auszuhändigen, damit er jederzeit wieder greifbar ist.
  • Nicht immer ist ein Hybridfahrzeug so leicht zu erkennen, wie hier dieses auffällig beschriftete Vorführfahrzeug.
  • Im Kofferraum des Hybriden befinden sich unter der Abdeckung die Batterien und die orangen Hochvoltkabel, die keinesfalls ungeschützt berührt werden dürfen.
  • Nur mit geeigneten Schutzhandschuhen (im Bild mit zusätzlichen Überhandschuhen) darf der Trenn-Stecker gezogen werden, der hier tief im Fahrzeug verbaut wurde.