Lehrgang in Techniken der Absturzsicherung durchgeführt

Ausbilder, Teilnehmer und Prüfer des Lehrgangs Absturzsicherung 2012 bei der Feuerwehr Delmenhorst an einem Funksendemasten.Bereits vor einigen Wochen nahmen insgesamt acht Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst an einem Lehrgang "Absturzsicherung" teil. Dieser wurde durch Ausbilder aus Reihen der Berufsfeuerwehr Delmenhorst in enger Absprache mit der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz durchgeführt. Ziel war es, den ersten Schritt zur Ausbildung als Multiplikator für Absturzsicherung zu tun. Die acht Teilnehmer verfügen daher durchweg bereits über die Ausbildung als Gruppenführer und Ausbilder in der Feuerwehr oder holen diese bis spätestens 2013 nach.

 

Grundgedanke des Lehrgangs, den die Delmenhorster nun durchführten, war die bisweilen zum Teil nicht ausreichende Sicherung bei Arbeiten in Höhen und Tiefen. Durch Einsätze nach verschiedenen Wetterphänomenen, suizidgefährdete Personen und auch Nachlöscharbeiten werden Feuerwehrleute nicht selten hohen Absturzgefahren ausgesetzt. Abhilfe schaffen können so genannte Gerätesätze "Absturzsicherung" nach DIN 14800 Teil 17. Deren Benutzung ist allerdings nur unterwiesenem Personal erlaubt, da eine Fehlbenutzung zu schwerwiegenden Verletzungen und sogar zu Unfällen mit Todesfolge führen kann. Immerhin können mit einem Kernmantel-Dynamikseil eines Gerätesatzes Höhen bis zu 30 Metern erreicht werden. Schwere Unfälle können aufgrund eines "harten" Falls ins Seil aber bereits bei viel geringeren Höhen eintreten. Grund genug für die Brandbekämpfer, sich auch mit den Folgen und Symptomen eines Hängetraumas zu beschäftigen.

 

Bei der nun durchgeführten Ausbildung kamen die acht Lehrlinge und ihre Ausbilder so einige Male mächtig ins Schwitzen. Bereits mit leichter Einsatzkleidung tropfte manche Schweißperle, während die Kletterer an der in ca. 2,5 Metern Höhe waagerecht ausgefahrenen Drehleiter über den Hof hangelten. Nicht jeder Vorsprung war schließlich zur Sicherung geeignet, so dass Bandschlingen und Falldämpfer manches Mal nur umständlich eingehakt werden konnten. Aufgrund der geringen Standfläche hing da auch schon mal ein Teilnehmer unerwartet selbst im Seil. Beinahe wie ein Spaziergang wirkte dagegen der senkrechte Vorstieg der Truppe an einem Funksendemasten im Stadtteil Deichhorst. Hier bestand die Schwierigkeit eher darin, die groß angelegten rautenförmigen Verstrebungen zu überwinden, ohne selbst die eigene Sicherung zu vernachlässigen. Entlohnt wurde der Einsatz dafür sowohl mit einem herrlichen Blick über Delmenhorst, als auch mit einer Ausbildung eng an der Praxis. Ganz im Zeichen des Mottos: Jede Übung ist wie ein Einsatz zu behandeln - hier gibt es keinerlei Unterscheidung!

 

Da in den gängigen Feuerwehrdienstvorschriften entgegen denen zur Sicherung und Selbstrettung keine explizite Regelung zur Absturzsicherung getroffen worden ist, konnten die Einsatzkräfte einen Vorteil daraus ziehen, auf eine europaweit gleiche Ausbildung zu bauen. Diese verständigt sich auf die Empfehlungen der European Union Special Rescue, die sich speziell mit Absturzsicherung und Höhenrettung beschäftigt. Der deutlichste Unterschied zur Höhenrettung liegt übrigens darin, dass die Absturzsicherung kein freies Hängen im Seil vorsieht. Auch Ausbildung, Gerät und Personalansatz sind unterschiedlich und die Höhenretter nutzen zudem ein redundantes System, um auch in größeren Höhen optimal gesichert zu sein. Freies Hängen im Seil gibt es bei der Absturzsicherung nur nach einem Sturz, also unbeabsichtigt durch Abrutschen oder einen Unfall.

 

Die nun ausgebildeten Einsatzkräfte haben neben ihrem eigenen Einsatz im Bereich Absturzsicherung (in dem sie zum Beispiel den Vorstieg für Höhenrettungskräfte vorbereiten können oder bei oben genannten Einsatzszenarien tätig werden dürfen) die Aufgabe, mit Absolvieren des 2. Lehrgangsteils auch die Ausbildung in ihren Einheiten voranzutreiben. Dafür sind nun in den Ortswehren Hasbergen und Süd je ein, in der Ortswehr Stadt und bei der Berufsfeuerwehr jeweils zwei Gerätesätze zur Absturzsicherung vorhanden.

 

  • Vorsteiger (links) und Sicherungsmann (rechts) beim Herstellen einer Sicherungskette. Hier ist der Festpunkt ein Baum...
  • ...hier wird ein Festpunkt am Fahrzeug genutzt. Über eine Umlenkung steigt der Vorsteiger senkrecht am Sendemasten auf.
  • Gut zu erkennen sind hier die verschiedenen Einsatzmittel, wie Auffanggurt mit Falldämpfern, Bandschlingen und Karabiner.
  • Gruppenbild des ersten Absturzsicherungslehrgangs bei der Feuerwehr Delmenhorst.