Ein Samstag voller Feuerwehr - ganz freiwillig...

Seltener Anblick: Bewältigung eines Tiefbauunfalls beim Ausbildungstag des 2. HalbzugesEinsatzübungen und Ausbildung, geselliges Beisammensein und Spaß haben. Das hatten sich die Mitglieder des 2. Halbzuges kürzlich auf die Fahnen geschrieben. Ein bisschen wie bei der Berufsfeuerwehr vielleicht, denn der Tag begann schon morgens mit einer Fahrzeugeinteilung. Eine Geräteprüfung folgte. Und schließlich sollte ein gemeinsames Frühstück anstehen. Doch wie das so ist bei der Feuerwehr: 1. kommt es anders und 2. als man denkt.

 

Gerade waren die Brötchen da, stand schon der erste Einsatz an. Die Meldung deutete auf einen Brandeinsatz in unmittelbarer Nachbarschaft zur Feuerwache hin, bei dem es in einer Sporthalle brennen sollte - näheres war allerdings nicht bekannt. Kurz darauf rückten LF 2, DLK und RW zur nahe gelegenen Halle aus. Beim Eintreffen drang Qualm aus der Halle. Das Dach sollte bereits durchbrennen. Parallel wurden also Innen- und Außenangriff über Drehleiter aufgebaut und eine Wasserversorgung über eine längere Wegstrecke hergestellt. Viel zu tun für die rund ein Dutzend Brandbekämpfer, die hier auch im Innenangriff mit Wasser am Strahlrohr arbeiten konnten: Ein klarer Vorteil in Duschräumen, in denen man einen Brandherd simuliert. In die Übung flossen so auch ungeplante Elemente mit ein, doch wer rechnet schon spontan mit einer Person im Nebenraum oder plant gleich mit einem Atemschutznotfall? Etwas mehr als eine Stunde übten die Ehrenamtlichen an der Sporthalle, bestückten die Fahrzeuge wieder und entschieden sich dann, das Frühstück doch eher zum gemeinsamen Mittagessen zu machen.

 

  • Brand in einer Sporthalle. Kurz nach dem Eintreffen wird der Löschangriff vorbereitet und die Wasserversorgung aufgebaut.
  • Vom RW 2 rüstet sich ein Trupp als Sicherheitstrupp aus und bringt notwendiges Rettungsgerät für den Notfall mit.
  • Der Angriffstrupp des LF 2 legt den Verteiler, daneben wird das Wenderohr der Drehleiter einsatzbereit gemacht.
  • Atemschutzgeräte anschließen und...
  • ...rein in die Halle. Dank entsprechenden Bodenbelags auch bei dieser Übung mit Wasser am Rohr.
  • Die restliche Schlauchreserve wurde kreisförmig als Loop an die Wand gestellt. Platzsparend - geht nur nicht bei Trockenübungen.
  • Über das Wenderohr der Drehleiter wird ein Außenangriff auf das Hallendach gefahren.
  • Der Drehleitermaschinist überwacht das Szenario vom Bedienstand aus.
  • Der Sicherheitstrupp mit seinem bereitgestellten Material kurz vor seinem Einsatz.
  • Drehleiter und Rüstwagen auf dem Schulhof vor der Halle. Mittlerweile ist der Sicherheitstrupp im Einsatz.
  • Ein weiterer Trupp unterstützt die Kameraden des Sicherheitstrupps. Hier werden gerade die Atemschutzgeräte angeschlossen.
  • Mit viel Personaleinsatz wird der verunglückte Trupp ins Freie gebracht.
  • Eher unsanft: Nicht umsonst wird bei dieser Methode von der CRASH-Rettung gesprochen.
  • Geschafft - und das im wörtlichen Sinne!
  • Nach der Übung: Pause, Nachbesprechung und Aufklaren der Einsatzstelle.

Eine kleine Pause gab es nach dem Mittag. Das Wetter spielte für die folgende Einlage nicht so richtig mit. Zwar sind Feuerwehrleute nicht aus Zucker, doch zu Trainingszwecken sollten sowohl Mensch als auch Material geschont werden. So wurde die Übung erst nach dem Abklingen eines ausgiebigen Regengusses gefahren. Stichwort nun: Person verschüttet. Einsatzort: Die Firma EPD Bau (Ernst Petershagen), deren Chef den Einsatzkräften die Möglichkeit gegeben hatte, auf dem Firmengelände zu üben.

Hier traininierten die Brandschützer eine nicht alltägliche Situation. Ein Arbeiter war von nachrutschendem Sand begraben worden. Der Kopf schaute noch aus dem Sandberg hervor, der Körper war völlig verdeckt. Bei diesem Tiefbauunfall-Szenario hatten die Einsatzkräfte die Person gegen nachrutschendes Schüttgut zu sichern und schonend aber zügig zu befreien. Eine Arbeit, die gerade dadurch nicht mehr mit schwerem Gerät allein zu bewältigen ist, dass man nicht sieht, wie der Körper liegt. So war Handarbeit gefragt - und Improvisationstalent bei der Sicherung mit Bohlen, Brettern und Rüstholz.

 

  • Mit dem Material von Drehleiter, Rüstwagen und Löschgruppenfahrzeug arbeiteten die Einsatzkräfte bei einer Tiefbau-Unfall-Übung auf dem Gelände der Firma EPD Bau.
  • Ein verschütteter Arbeiter musste gerettet werden. Hier werden erste Sicherungen gegen nachrutschenden Sand installiert.
  • Rüsthölzer und Bohlen werden mit vertikalen Versteifungen gesichert.
  • Manche spontane Idee hilft in der Praxis gut weiter: Helmvisier ab...
  • ...und um den Kopf des Verschütteten gelegt. So wird dieser vor nachrutschendem Sand geschützt.
  • Mittlerweile sind die Versteifungen auch durch Keile gesichert. Der Körper des Arbeiters wird langsam freigegraben. Mit der Schaufel wird nur der grobe Sand vor dem Unfallort beiseite geräumt...
  • ...für das Freilegen des Körpers der Person bzw. Puppe ist Handarbeit angesagt, da deren Lage im Sand von außen nicht ersichtlich ist.
  • Fast geschafft: Nur noch wenig Sand hält den Körper...
  • ...die Schultern und der Oberkörper sind bereits frei.
  • Einen Moment später ist die Übung erfolgreich beendet.

 

Als dritter und letzter Übungseinsatz folgte eine ABC-Übung. Im Gewerbegebiet GUT Langenwisch waren einige Kanister mit Gefahrstoffen leck geschlagen bzw. offen vorgefunden worden. Wie sich herausstellen sollte, handelte es sich um Kanister mit Epoxidharzen. Natürlich war der Stoff in Wirklichkeit durch ungefährliche Stoffe wie Wasser, Tapetenkleister und Lebensmittelfarbe dargestellt worden, doch die Gefahrensituation wurde wie im Einsatz behandelt. Die nun mit LF 2, GW-U und RW angerückten Kräfte bauten nun standardmäßig auf: Gefahr erkennen und Absperren zuerst, dann Brandschutz sicherstellen und schließlich den eigentlichen Gefahrguteinsatz durchführen. Dazu baute ein Teil der Mannschaft die Dekon-Strecke auf, während sich ein erster Trupp mit Chemikalienschutzanzügen ausrüstete, um die Lage gut geschützt genauer zu erkunden.

Bereits während der erste Trupp erkundete und der Stoff anhand eines Datenblattes identifiziert werden konnte, rüstete sich ein zweiter Trupp aus und unterstützte durch Zubringen geeigneter Behälter, um eine weitere Ausbreitung des Stoffes zu verhindern. Da der Stoff sich zuletzt zudem entzündet haben sollte, wurde ein weitererer Trupp unter CSA zur Brandbekämpfung eingesetzt. Schließlich wurden alle CSA-Träger beim Durchlauf der Dekon-Strecke grob gereinigt und vorsichtig aus den Anzügen gepellt, wobei darauf geachtet wurde, dass die Helfer nur die Außenseite der Schutzanzüge berührten.

Nachdem das benutzte Gerät grob gereinigt und verladen worden war, endete diese Einsatzübung. Mittlerweile war es Abend geworden und mit dem gründlichen Reinigen und Verlasten der Gerätschaften beendete man diesen langen aber erfolgreichen Ausbildungstag. Das nächste Mal, das war dabei schon klar, plant man aber gleich das eine oder andere Stündchen mehr ein...

 

  • Die Ausgangslage der Übung: Vier Kanister mit unbekanntem Gefahrgut, die hinter einem Gebäude abgeladen wurden.
  • Zuerst wurde eine erste Absperrung mit Flatterband gezogen...
  • ...und der Brandschutz sichergestellt.
  • Die Fahrzeuge wurden schräg am Parkplatzrand geparkt, um den vorhandenen Raum optimal auszunutzen.
  • Hinter der ersten (provisorischen) Absperrung wurde die Dekon-Strecke aufgebaut.
  • Vordekon-Wanne (Stiefel- und Grobreinigung), Dekon-Dusche und Schnelleinsatzzelt bliesen sich durch Druckluft binnen Sekunden auf.
  • Die extra für die Übung mitgebrachten Übungs-Schutzanzüge wurden ausgepackt...
  • ...und je samt einem Funkgerät im Schnelleinsatzzelt (SEZ) bereitgelegt. Hinzu kam die entsprechende Anzahl Atemschutzgeräte.
  • Auch für die Dekontamination und einen weiteren Trupp wurden spezielle Anzüge mitgeführt. Daneben die vorgekuppelte Leitung zum Schaumrohr.
  • Im Zelt rüsteten sich die Trupps mit den Üb-CSA aus und meldeten ihren Atemluftvorrat.
  • Die Atemschutzüberwachung wurde direkt im Ein- bzw. Ausgangsbereich des Gefahrenbereichs geführt. Jeder Trupp musste hier vorbei.
  • Der Dekon-Trupp bereitete sich ebenfalls auf seinen Einsatz vor und stieg in Anzüge der Form 2.
  • Inzwischen war der erste Trupp fertig und konnte zur Erkundung vorgehen.
  • Der Trupp erkundete sehr gründlich, stellte dabei sogar einen Kanister wieder auf - und übersah ein Loch in dessen Boden...
  • Die Kennzeichnung des Gefahrguts - Klasse 9, UN-Nr. 3082. Aber ja nur zur Übung! Besser, man schreibt das auch drauf.
  • Der Gerätewagen Umweltschutz (GW-U) diente der Materialbereitstellung für den Einsatz.
  • Auch dieser Behälter und die Sackkarre stammen vom GW-U. Fazit: So gehts nicht, zu schwer! Aber hey, bei der Form? Ja, richtig, man kann Zylindrisches und Rundes rollen...
  • Grobreinigung vor der Dusche. Übrigens: Die Blitzlampen dienen der Orientierung, damit die Trupps in den Anzügen den Ausgang besser finden. Gerade mit eingeschränkter Sicht und nachts ist es so leichter.
  • Der geduschte Trupp wird aus dem Anzug gepellt. Hier weist der Dekon-Trupp an: Einen großen Schritt zu gelb! Die runde Matte ist voller Schmutzwasser - im Realeinsatz schlimmstenfalls samt Chemikalien!
  • Feuer! Auch im Gefahrguteinsatz möglich - hier löscht ein CSA-Trupp mit Wassersprühstrahl aus dem Schaumrohr. Bei Bedarf ließe sich jederzeit Schaum zumischen. Das C-Rohr nutzte derweil der Dekon-Trupp.