Die Freiwillige Feuerwehr im zweiten Weltkrieg

Der Fahrzeugpark der Freiwilligen Feuerwehr wurde bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges aus der Feuerwache im Wasserturm herausgenommen und auf Unterkünfte im gesamten Stadtgebiet verteilt. So sollte verhindert werden, dass bei einem feindlichen Bombenangriff die Geräte in der Feuerwache auf einem Schlag vernichtet werden.

 

HJ-Feuerwehrschar der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst im 2. WeltkriegDer Krieg führte bei der Freiwilligen Feuerwehr zu personellen Engpässen. Um die zum Kriegsdienst eingezogenen Feuerwehrmänner zu ersetzen, wurde auf ältere, bereits aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene Kameraden zurückgegriffen. Zudem wurde seit Anfang 1940 eine aus den Reihen der Hitlerjugend gebildete HJ-Feuerwehrschar, bestehend aus 25 Jungen, bei Brandeinsätzen hinzugezogen.

Reichseinheitlich wurde 1943 die im wesentlichen noch heute gültigen taktischen Abkürzungen bei den Fahrzeugen eingeführt, die sich bei Löschfahrzeugen nach der Pumpenleistung (z.B. LF 8 = 800 Liter in der Minute) und bei den Drehleitern nach der Steighöhe (z.B. DL 17 = 17 Meter) richteten.

 

Die Stadt Delmenhorst hat eine ganze Reihe feindlicher Fliegerangriffe erlebt – und überlebt. Schwere Großangriffe wie zum Beispiel auf die hart betroffene Nachbarstadt Bremen, sind dabei jedoch ausgeblieben. Dennoch musste die Feuerwehr zu unzähligen Bränden im Stadtgebiet eilen, die durch Luftangriffe verursacht wurden. Beispielhaft hier einige Einsätze bei bekannten Gebäuden: Düper Mühle (18.04.1941), Presskorkwerke (17.03.1942), Lange Straße, Oberschule an der Willmsstraße, Deichhorster Schule, Schule an der Stedinger Straße (08.10.1943), Marienkirche (26.11.1943).

Neben den vielen Einsätzen im Stadtgebiet wurde die Freiwillige Feuerwehr Delmenhorst während des Krieges auch häufig zur Unterstützung nach Bremen gerufen. Mitte Oktober 1944 machten sich zudem die Einsatzkräfte nach Wilhelmshaven auf, um der dortigen Feuerwehr nach einem Fliegerangriff zu helfen.

 

Fotografie eines Teils des auch noch während des Krieges verwendeten Fuhrparks der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst, 1932Nach den Unterlagen des Delmenhorster Stadtarchivs wurde während des Krieges 1.454 mal Vollalarm gegeben, der die Menschen in Keller und Luftschutzräume zwang. Insgesamt musste die Stadt 71 Fliegerangriffe über sich ergehen lassen, bei denen rund 1.000 Sprengbomben und 40.000 Brandbomben abgeworfen wurden. Ergebnis: 79 Tote, 257 Verletzte, mehrere hundert zerstörte und teilweise schwer beschädigte Gebäude. Acht Großbrände, 55 mittelgroße Feuer und 84 Kleinbrände brachen aus.

An die Feuerwehrmänner stellte der Krieg hohe Anforderungen. Nicht nur bei „normalen“ Bränden, sondern auch bei den Luftalarmen mussten sie zu den Löschgeräten eilen – neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit. Dies war glücklicherweise im April 1945 vorbei: Am 19.04. wurde spät abends der letzte Luftalarm gegeben. Am Morgen des darauffolgenden Tages rückten dann englische Streitkräfte auf dem Rathausplatz ein. Für die Stadt Delmenhorst war der Krieg zu Ende. Die Feuerwehr war dann die erste Organisation, der die Alliierten das Weiterbestehen gestattete. Am 30.04.1945 standen der Stadt Delmenhorst rund 80 Feuerwehrmänner zur Verfügung.