Die erste Dampfspritze

Fotografie der Dampfspritze der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst aus dem Jahre 2004. Ihren Standplatz hat die Spritze in den Hallen der FF Delmenhorst-Stadt gefunden.Mit Blick auf die schlechte Moral und Disziplinlosigkeit der Pflichtfeuerwehr sah der Magistrat der Stadt im Jahre 1893 große Schwierigkeiten, für eine weitere Handdruckspritze genügend geeignete Pumper zu finden. Man trug sich daher mit dem Gedanken, eine weniger personalintensive Dampfspritze anzuschaffen.

Man riet jedoch der Stadt von einer Dampfspritze ab. Diese bräuchte man nur in größeren Städten, wo man große Wassermassen auf 5- bis 7-stöckige Häuser schleudern musste. Aufgrund der großen Wasserleistung würde man bei normalen Bränden wie in Delmenhorst nur noch mehr Schaden anrichten. Zudem traute man den Delmenhorstern nicht viel technisches Verständnis zu, denn es hieß damals weiter, dass für die Bedienung „Maschinisten von Profession“ erforderlich sind. Den Delmenhorster wurde eine normale Saug- und Druckspritze empfohlen, mit der „sogar Leute vom Lande“ umzugehen wussten.

 

Rückwärtige Ansicht der Delmenhorster Dampfspritze im Jahre 2004. Gut ist der Kessel erkennbar.1903 wurde der zweite Anlauf zur Anschaffung einer Dampfspritze unternommen. Doch die finanzielle Lage der Stadt war schlecht. So mussten die Kosten der Dampfspritze von 6.580 Mark durch Spenden der heimischen Industriebetriebe, der Feuerversicherungen und der Bevölkerung abgedeckt werden – was auch gelang. Die Stadt bekam letztlich das Gerät quasi zum Nulltarif.

 

Einholung der ersten Dampfspritze der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst im Jahre 1904.

Am 22. Dezember 1904 traf die in Hannover gefertigte Dampfspritze auf dem Delmenhorster Bahnhof ein und wurde wenige Tage später feierlich von der Freiwilligen Feuerwehr eingeholt. Die versprochene Leistungsfähigkeit mit einer Wasserabgabe von 800 Litern pro Minute entsprach nach einem Test voll den gestellten Anforderungen, so dass die Dampfspritze im April 1905 offiziell der Stadt zum Eigentum übergeben werden konnte. Besonders stolz waren damals die Feuerwehrleute auf die Tatsache, dass sie die erste Dampfspritze im gesamten Oldenburger Land in ihren Händen hatten.

 

Ihren ersten Einsatz hatte die Dampfspritze im Juni 1905 bei einem Großfeuer im Möbelgeschäft Nikolaus an der Langen Straße. Das Delmenhorster Kreisblatt schrieb damals: „... Die Dampfspritze schaffte kolossale Wassermengen herbei, so dass das Feuer bald eingedämmt werden konnte...“.

1906 wurde für die Dampfspritze als Anhänger ein zweirädriger Schlauchwagen angefertigt, mit einer Haspel für die breiten 85-Meter-Schläuche und einem Eisenkasten zum Mitführen von Heizkohle. Da der Kessel immer mit Wasser gefüllt war, war die Dampfspritze stets einsatzbereit und konnte bereits 12 Minuten nach dem Feueralarm die ersten Wasserstrahlen „abschießen“.

 

Einsatz der Dampfspritze der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst beim Feuer auf der Nordwollekämmerei im Jahre 1911.Einen besonderen Einsatz hatte die Dampfspritze am Silvestertag 1908. Aufgrund eines Großfeuers im Hafen bat die Stadt Brake die Freiwillige Feuerwehr Delmenhorst mit ihrer Dampfspritze um Hilfe. Die Dampfspritze wurde umgehend auf den nächsten Zug Richtung Brake verladen. Wegen der starken Kälte musste das Gerät während der Fahrt auf dem offenen Wagon ständig von der mitfahrenden Mannschaft geheizt werden, damit sie nicht einfror. Mit Unterstützung der Dampfspritze gelang es, das Feuer im Braker Hafen unter Kontrolle zu bringen. Den Delmenhorster Feuerwehrleuten, die die anstrengende Fahrt auf dem offenen Wagon bei minus 12 Grad Kälte und 60 km/h freiwillig antraten, wurde für diese unmenschliche Strapaze vom Großherzog die „Medaille für Verdienste in der Feuerwehr“ verliehen. In den zwanziger und dreißiger Jahren musste die Dampfspritze immer mehr der Konkurrenz der automobilen Motorspritzen weichen. 1933 wurde sie in die Reserve versetzt, um sie letztlich 1956 endgültig außer Dienst zu stellen. Von ersten Verschrottungsabsichten wurde glücklicherweise abgesehen, so dass die erste Dampfspritze der Stadt Delmenhorst heute im Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst-Stadt ihren verdienten Ehrenplatz hat – umrahmt von Feuerwehrfahrzeugen der jetzigen Generation.