Vom ersten Spritzenhaus zur modernen Feuerwache

1691 wurde von der Stadt Delmenhorst das ehemalige gräfliche Gewächshaus (zwischen dem heutigen Delmegarten und der Parkstraße) erworben und als Spritzenhaus eingerichtet. Von 1699 bis 1821 diente es zugleich als Rathaus, wurde aber 1822 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Die Stadt kaufte dann 1821 vom Staat die ehemalige Schließerei (so bezeichnete man damals das Gefängnis) auf dem Markt, um es als Rathaus zu nutzen. Hier wurden dann die Spritzen der Pflichtfeuerwehr untergebracht. 1855 musste die Feuerwehr hier wieder ausziehen, weil die Räume von der Stadt an das Zollamt vermietet wurden. Man fand für die Spitzen eine neue Bleibe in der Langen Straße, in den Räumen des Kaufmanns Schmidt.

 

Wagenschuppen (1867-1895)1867 kaufte wiederum die Stadt den Wagenschuppen neben dem Rathaus und brachte dort die Spritzen unter. Gut drei Jahrzehnte hatte dies Bestand, bis 1895 das Rathaus abgebrochen und im ebenfalls am Markt befindlichen Wohnhaus Wieting wieder eingerichtet wurde. Daneben wurde dann als Fachwerkbau eine Markthalle und für die Pflichtfeuerwehr ein Spritzenhaus mit vier Toren errichtet, zudem ein hölzerner Schlauchturm, in dem die Schläuche zum Trocknen aufgehängt werden konnten. Bislang mussten diese auf Zäunen getrocknet werden.

 

Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst 1896 im Wieting-Stall neben dem alten Rathaus.Der 1895 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr (des Delmenhorster Turnvereins) wurde 1896 ein Stall neben dem Rathaus und dem Saal von Sudmanns Hotel eingerichtet. 1906 wurde dann das Spritzenhaus der Pflichtfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr zugewiesen. Die Pflichtfeuerwehr wich daraufhin in einen Stall das Wohnhaus von Harbou am Mühlendamm aus, das die Stadt 1905 als Rathaus erworben hat.

 

Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr Delmenhorst ab 1906: Die ehemalige Unterkunft der Pflichtfeuerwehr, hier auf einem Bild von 1899.1914 zog die Freiwillige Feuerwehr Delmenhorst von ihrem Spritzenhaus am Markt, dass seit 1906 als Unterkunft diente, in den neuen Anbau am Wasserturm um. Hier wurde zuerst nur ein Teil der Fahrzeuge untergebracht, der Rest verblieb noch für einige Zeit im alten Spritzenhaus. Als besondere Errungenschaft wurde damals das Vorhandenseins von elektrischen Licht und einer Zentralheizung hervorgehoben. Somit war die Gefahr des Zufrierens der Spritzen in den Ställen und Holzschuppen endlich vorbei. Auch die Installation einer modernen Schlauchwaschanlage setzte den Zeiten der Handwäsche in der Delme ein Ende. Das alte Spritzenhaus am Markt verlor letztlich seine Funktion und wurde abgebrochen.

 

Feuerwache neben Wasserturm und Rathaus (1914-1974)Doch auch die anfangs guten Verhältnisse in der Feuerwehrwache am Wasserturm wurden über die Jahrzehnte immer beengter, so dass nicht mehr alle Fahrzeuge dort Platz fanden. Daher wurde 1947 von der Stadt eine Holzbaracke am Eingang zur Graft erworben, um dort behelfsmäßig Fahrzeuge unterzubringen. 1952 wurden zudem Abstellräume an der Langen Straße angemietet. Die räumliche Trennung der Einsatzfahrzeuge wirkte sich aber nachteilig auf die Ausrückezeiten der Feuerwehr aus. Auch stand den Feuerwehrleuten kein abgeschlossener Platz für Übungen und praktische Ausbildung zur Verfügung.

Abhilfe dieser Missstände wurde durch die 1974 bezogene Feuerwehrwache an der Rudolf-Königer-Straße geschaffen. Auf dem Gelände der ehemaligen Presskorkwerke entstand ein großer Gebäudekomplex, der sowohl den ehrenamtlichen Kräften der Freiwilligen Feuerwehr als auch den Männern der Hauptberuflichen Wachbereitschaft ausreichend Platz für Fahrzeuge, Ausrüstung, Ausbildung und Schlafmöglichkeiten bot.

Beim Umbau der Feuerwache Ende der 1990er Jahre mussten die meisten Fahrzeuge im Freien auf dem Hof der Wache abgestellt werden.Doch über die Jahrzehnte zeigte sich, dass die Raumverhältnisse auch hier immer weniger befriedigend waren. Dazu kamen gravierende Baumängel am Hauptgebäude, die umfassende Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen erforderten. Auch der aufgrund der gestiegenen Einsatzanforderungen gewachsene Fahrzeugpark, verschärfte gesetzliche Vorschriften sowie die Jugendfeuerwehr, die für ihren Ausbildungsbetrieb dringend adäquate Räumlichkeiten benötigte, schuf in den 1990er Jahren akuten Handlungsbedarf.

 

Die Stadt Delmenhorst beschloss daraufhin, mit einem umfangreichen Neubau- und Sanierungskonzept den jetzigen und künftigen Anforderungen Rechnung zu tragen. Ende der 1990er Jahre wurde zuerst das Hauptgebäude baulich gesichert. Im Jahr 2000 wurde dann im Südbereich ein Neubau erstellt, der neben den Rettungs- und Krankenfahrzeugen die Leitstelle (bis 2012) sowie auch die Verwaltung (Fachdienst Feuerwehr) unter einem Dach vereint. Während dieser Bauzeit musste die Freiwillige Feuerwehr Delmenhorst-Stadt sich für einige Zeit in den Räumen der ehemaligen Presskorkfabrik provisorisch einrichten.

Feuerwehrhaus von FF Delmenhorst-Stadt und Jugendfeuerwehr (ab 2002)2001 wurde dann das alte Presskorkfabrik-Gebäude, in dem neben der Freiwilligen Feuerwehr auch die Jugendfeuerwehr untergebracht war, abgerissen. An dieser Stelle wurde mit dem Neubau begonnen, der nun alleine der Freiwilligen Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr zur Verfügung steht. Während der gut eineinhalbjährigen Bauphase bezogen die Freiwilligen das nächste Übergangsquartier im Hauptgebäude, während die Jugendfeuerwehr die Zeit im Feuerwehrhaus der Ortsfeuerwehr Süd überbrückte.

Im August 2002 konnten die aktiven Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehr Stadt und die Jugendfeuerwehr Delmenhorst den fertig gestellten Neubau übernehmen. Im nächsten Schritt wurde das Hauptgebäude, in dem die Berufsfeuerwehr untergebracht ist, umfangreich saniert und modernisiert. Von einem in Betracht gezogenen Abriss und Neubau hatte die Stadt aus Kostengründen Abstand genommen.

Im Laufe des Jahres 2011 wurde letztlich die alte Werkstatt abgerissen und durch einen hellen und modernen Neubau mit drei Einstellplätzen und Waschhalle ersetzt, der auch von den Abmessungen den gewachsenen Einsatzfahrzeugen Rechnung trägt. Bis auf kleine Veränderungen konnte damit die langjährige Umbauphase auf dem Gelände der Feuerwache Rudolf-Königer-Straße abgeschlossen werden.