Betrieblicher Brandschutz

Feuerwehreinsatz in einem Delmenhorster Gewerbebetrieb, 2010Nach den einschlägigen Statistiken werden gut drei Viertel aller Brände in Betrieben durch menschliche Fahrlässigkeit ausgelöst. Meistens liegt eine ungewollte bzw. unbewusste Nachlässigkeit der Brandursache zugrunde, sei es aus Unterschätzung oder Unkenntnis möglicher Gefahren oder auch, weil man sich als Folge einer fortschreitenden „Betriebsblindheit“ an bekannte Gefahren gewöhnt hat und aufrund schleichender Bequemlichkeit und Routine Schutzvorschriften außer acht gelassen werden. Beispielsweise seien genannt: das Offenhalten von Brandschutztüren, das Verstellen von Feuerlöscheinrichtungen und Fluchtwegen oder auch die Nichtbeachtung des Rauchverbotes.

Wollen sich Betriebe mittels einer Versicherung gegen Schäden aus Brandereignissen versichern (und dazu gehören neben dem Sachschäden auch die finanziellen Folgen einer längeren Betriebsunterbrechung), müssen sie mit strengen Auflagen der Versicherungsgesellschaft rechnen. Unternehmen, die über vorbildliche Sicherheits- und Brandschutzeinrichtungen verfügen, können dagegen schon eine spürbare Minderung der Versicherungsprämie erreichen.

Für einen ersten Überblick haben wir hier einige Tipps zu folgende Fragen zusammengestellt:

    • Was können Arbeitgeber und Arbeitnehmer tun, damit Brände gar nicht erst entstehen?
    • Wie verhalte ich mich am Arbeitsplatz richtig im Falle eines Brandes?


Was können Arbeitgeber und Arbeitnehmer tun, damit Brände gar nicht erst entstehen?


Feuerlöscher

Feuerlösch- und Brandmeldeinrichtungen:

  • Brandschutzordnungen erstellen, veröffentlichen und beachten
  • Brandmeldeanlagen regelmäßig überprüfen
  • Notruf-Nummern auf jedem Telefon verzeichnen
  • Alarmplan erstellen, veröffentlichen und beachten
  • Löschgerät jederzeit griffbereit und befüllt halten
  • Regelmäßige fachgerechte Wartungen durchführen lassen
Notausgang

Flucht- und Rettungswege:

  • Flucht- und Rettungswegeplan erstellen, veröffentlichen und beachten
  • Für ausreichend sichere Flure und Treppen sorgen
  • Fluchtwege nicht verstellen
  • Fluchtwege deutlich kennzeichnen
  • Notausgänge freihalten
  • Notausgänge nicht verschließen
Überflurhydrant

Löschwasserversorgung:

  • Löschwasserstellen freihalten
  • Fahrzeuge nicht auf Unterflurhydranten abstellen
  • Saugstellen an offenen Löschwasserentnahmestellen in Ordnung halten
  • Löschwasserbrunnen regelmäßig prüfen lassen (ggf. in Absprache mit der Abteilung Vorbeugender Brandschutz der Berufsfeuerwehr Delmenhorst, Telefon 04221/99-2415)
Praktische Unterweisung und Übung mit dem Feuerlöscher

Personenunterweisung:

  • Regelmäßige Belehrungen über ungewollte oder bewusste Nachlässigkeiten
  • Regelmäßige Unterweisung der Mitarbeiter über Verhalten im Brandfall
  • Neue Mitarbeiter rechtzeitig belehren und einweisen
  • Praktische Übungen mit Feuerlöschern durchführen
  • Aufstellungsort und Bedienung der Brandmeldeeinrichtungen kenntlich machen
  • Sicherheitskennzeichnungen für gefährliche Stoffe anbringen und die Einhaltung der Ge- und Verbote überwachen
Warnung vor Feuergefahr

Zündquellen vermeiden:

  • Rauchverbot beachten
  • Heißlaufen von Maschinen vermeiden
  • Elektrische Anlagen in Ordnung halten
  • Erkennen von Selbstentzündungsmöglichkeiten
  • Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten nur in dafür bestimmten Räumen
  • Lagerung leichtentzündlicher Gase nur in dafür bestimmten Räumen, die vom Freien aus zugänglich sind
  • Schweißen, Löten oder Trennen nur mit Erlaubnisschein und durch Fachkräfte
Feuerwehr Delmenhorst

Unterstützung der Feuerwehr:

  • Feuerwehrplan in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr erstellen
  • Zufahrtswege und Bewegungsflächen für Feuerwehr kennzeichnen
  • Absolutes Halteverbot auf diesen Wegen und Flächen beachten
  • Zugänge zu den Gebäuden kennzeichnen
  • Durch einen Feuerwehr-Schlüsselkasten den Zugang stets gewährleisten
Baulicher Brandschutz (Symbolbild)

Vorbeugender baulicher Brandschutz:

  • Feuerbeständige Wände, Decken und Abschlüsse
  • Feuerüberschlagswege absichern
  • Feuerbrücken bei Lagerung von brennbarem Material vermeiden
  • Gewährleistung des vorbeugenden Brandschutzes auch während der Durchführung von Bau- und Instandhaltungsarbeiten oder bei Nutzungsänderungen

 

In der Stadt Delmenhorst steht interessierten Betrieben der Fachdienst Feuerwehr, Abteilung Vorbeugender Brandschutz (Telefon: 04221/99-2415), mit detaillierten Informationen zum Thema zur Verfügung. Die Brandschutzdienststelle berät unter anderem in Fragen des baulichen, organisatorischen und anlagentechnischen Brandschutzes. Weitergehende Informationen sind unter www.feuerwehr-delmenhorst.de zu finden. Hier werden auch verschiedene Musterpläne zum Download bereitgehalten.

 

Wie verhalte ich mich am Arbeitsplatz richtig im Falle eines Brandes?

 

Richtig so! 

Ruhe bewahren

Angst oder Panik führen meistens zu unkontrollierten Fluchtreaktionen. Angst- und Panikreaktionen abzubauen ist neben der Brandmeldung eine der wichtigsten Aufgaben. Ängstliche Personen sind zu beruhigen und zum raschen, aber geordneten Verlassen des Gefahrenbereiches anzuweisen.

 Richtig so!

Brand oder Notfall über 112 meldenBrand melden

Brand über den Notruf 112 sofort mit genauen Angaben über Brandstelle und Umfang des Feuers melden. Rückfragen der Rettungsleitstelle solltest Du unbedingt abwarten: Einfach Auflegen ist falsch!
 Richtig so!

Mitarbeiter warnen

Nicht alle Mitarbeiter werden einen Brandausbruch sofort bemerken. Du solltest daher alle anderen Mitarbeiter warnen. Denk daran, dass Telefone oder Lautsprecheranlagen im Brandfall auch außer Betrieb sein könnten. Wichtig ist auch, dass hörgeschädigte, mit Gehörschutz arbeitende oder fremdsprachige Mitarbeiter Warnrufe oder Durchsagen nicht verstehen können.
 Richtig so!

Lüftungs-, Transport- und Heizungsanlagen abschalten

Abschalten von Anlagen mittels rotem Notaus-SchalterRohrleitungen absperren, Gashaupthahn schließen, Lüftungsanlage abschalten und elektrische Anlagen gegebenenfalls spannungsfrei schalten hilft möglicherweise schon, die Brandausbreitung zu verlangsamen oder ganz verhindern. Ein wichtiges Hilfsmittel hierfür sind „Notausschalter“.

 Richtig so!

Gefahrenbereich sofort verlassen

Dieses Symbol weist auf den Sammelplatz im Notfall hinÜber gekennzeichnete Flucht- und Rettungswege solltest Du den Gefahrenbereich schnellstmöglich verlassen. Dabei ist ein besonnenes, geordnetes und diszipliniertes Verhalten entscheidend. Hilf den anderen, zum Beispiel behinderten und älteren Personen oder schwangeren Kolleginnen. Folge den Hinweisschildern zum jeweils nächsten Ausgang. An der Sammelstelle lass Dich registrieren, damit klar ist, dass Du in Sicherheit bist.

 

Sollten der Weg zu den Ausgängen bereits durch Feuer oder Rauch abgeschnitten sein, zieh Dich in einen sicheren Bereich zurück, dichte die Tür mit vorhandenen Materialien ab und begib Dich zum Fenster. Dort warte das Eintreffen der Feuerwehr ab und mach Dich in geeigneter Weise bemerkbar.

 Richtig so!

Keine Fahrstühle mehr benutzen

verkleinertes Muster eines Flucht- und RettungswegeplansAuf keinen Fall sollten im Brandfall Fahrstühle oder sonstige Aufzüge benutzt werden. Diese könnten durch die Brandauswirkungen (z.B. durch Kurzschluss) außer Betrieb gesetzt werden. Ein steckengebliebender Fahrstuhl wird dann unter Umständen zur Todesfalle. Die im Flucht- und Rettungswegeplan ausgewiesenen Fluchtwege führen über sichere Wege ins Freie und sollten unbedingt genutzt werden!

 Richtig so!

In verqualmten Bereichen gebückt gehen

Rauch und Hitze steigen nach oben. Am Boden ist daher die Luft zum Atmen noch am saubersten, dazu ist es kühler. Auch die zur Orientierung notwendige Sicht ist am Boden besser. Gebücktes Gehen oder Krabbeln und Kriechen erhöht die Chancen, in verrauchten Bereichen bei Bewusstsein zu bleiben und das Gebäude zu verlassen.

 Richtig so!

Muster einer Brandschutzordnung Teil A (Handlungsanweisungen)Festgelegte Maßnahmen gemäß Brandschutzordnung durchführen

In der Brandschutzordnung des Betriebes sind alle Handlungsanweisungen und Regeln zur Brandverhütung und Brandbekämpfung sowie zum Verhalten bei sonstigen Schadensfällen beschrieben. Sie sind allen Mitarbeitern durch Aushang oder anderweitig zugänglich zu machen. Sowohl als Chef als auch als Mitarbeiter sollte jeder daran denken, neue Mitarbeiter über die Regeln der Brandschutzordnung zu unterrichten.

 Richtig so!

Auf die Feuerwehr warten und diese einweisen

Kennzeichnung des Einsatzleitdienstes mit gelb abgesetzter Jacken-SchulterpartieNach dem Notruf das Eintreffen der Feuerwehrfahrzeuge abwarten. Bei größeren Betriebsgeländen ist eine Einweisung für die Einsatzkräfte hilfreich. Gegebenenfalls sind hierfür mehrere Personen abzustellen. Der Einsatzleiter der Feuerwehr sollte über die Situation informiert und auf eventuell noch vermisste Personen und mögliche Aufenthaltsorte hingewiesen werden. Auch Gefahrstoffe erwähnen. Ein Verantwortlicher des Betriebes bzw. eine betriebskundige Person sollte sich während des Einsatz als Ansprechpartner für den Einsatzleiter bereithalten.
 Richtig so!

Die Rettung von Menschenleben geht vor Brandbekämpfung

Bevor mit eigenen Löschmaßnahmen begonnen wird (soweit sie gefahrlos möglich sind), hat die Rettung von Menschen Priorität. Besonders behinderte Personen benötigen in Gefahrensituationen Hilfe. Gäste und Besucher des Betriebes, die sich mit den örtlichen Gegebenheiten nicht auskennen, sollten ebenso betreut und angeleitet werden.